Kursdidaktik

Stan­dards, Prin­zi­pi­en, Kom­pe­ten­zen in der Reli­gi­ons­päd­ago­gi­schen Qualifizierung

Reli­giö­se Bil­dung in evan­ge­li­schen Kin­der­ta­ges­stät­ten ist eine Quer­schnitts­auf­ga­be und grund­sätz­lich auf alle Bil­dungs­be­rei­che bezo­gen. Sie kann sich dann leben­dig wei­ter­ent­wi­ckeln, wenn sie als ein dyna­mi­scher Pro­zess ver­stan­den wird. Sie ist auf einen acht­sa­men Umgang und auf eine sen­si­ti­ve Respon­si­vi­tät aller Betei­lig­ten angewiesen.

Die­se Grund­le­gung reli­giö­ser Bil­dung gilt auch für die RPQ. Daher sind die fol­gen­den Modu­le der RPQ als ein Ori­en­tie­rungs­rah­men zu ver­ste­hen, der jeweils kurs- und teil­neh­men­den­ori­en­tiert umge­setzt wird. Auf­grund die­ser Pro­zess­ori­en­tie­rung sind inhalt­li­che Gestal­tungs­räu­me und die Mög­lich­keit zu Schwer­punkt­set­zun­gen im Rah­men der RPQ-Stan­dards vorgesehen:

  • Umfang und Orga­ni­sa­ti­on: Jede RPQ hat den Umfang von 240 AE (Arbeits­ein­hei­ten) in ver­schie­de­nen For­ma­ten. Zur RPQ gehört die Teil­nah­me an einer Auf­bau­fort­bil­dung ca. ein Jahr nach der RPQ (16 AE).
  • Durch­füh­rung: Zu jeder RPQ gehö­ren Andach­ten und Exkur­sio­nen. Pra­xis­be­su­che kön­nen nach Abspra­che durch­ge­führt werden.
  • Indi­vi­du­el­le Pro­duk­te und Leis­tun­gen: Zu jeder RPQ gehö­ren die Gestal­tung und Doku­men­ta­ti­on von Pro­jek­ten, das Schrei­ben einer Haus­ar­beit zu einem bibli­schen Text (4–6 Sei­ten) und eine münd­li­che Prä­sen­ta­ti­on (Refle­xi­on einer All­tags­si­tua­ti­on aus reli­gi­ons­sen­si­bler Perspektive).
  • Abschluss der RPQ: Jede RPQ wird mit einem Got­tes­dienst und einer Seg­nung der Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten und einer doku­men­tier­ten Eva­lua­ti­on beendet.

Zusätz­lich zu die­sen Stan­dards sind fol­gen­de Prin­zi­pi­en der Arbeit in den RPQs wirksam:

Eine Lern­at­mo­sphä­re der gegen­sei­ti­gen Wert­schät­zung und Aner­ken­nung schaffen

Gemein­sa­mes Ler­nen braucht eine Atmo­sphä­re der gegen­sei­ti­gen Wert­schät­zung und Aner­ken­nung. Jede Per­son ist will­kom­men und ange­nom­men. Die Fort­bil­dungs­kur­se bie­ten einen geschütz­ten Rah­men, in dem Selbst­re­fle­xi­on, Aus­tausch unter­ein­an­der und Kri­tik selbst­ver­ständ­lich sind und geför­dert werden.

Neu Gelern­tes kann in feh­ler­freund­li­cher und kon­struk­ti­ver Atmo­sphä­re erprobt werden.

Eine Erfah­rungs- und Lern­ge­mein­schaft auf Zeit bilden

Die Grup­pe lernt sich als Lern­ge­mein­schaft auf Zeit ken­nen. Alle Kurs­teil­neh­men­den kön­nen sich ein­brin­gen und die Kur­se mit­ge­stal­ten. Inhal­te und Zie­le wer­den trans­pa­rent gemacht und mit den Inter­es­sen der Grup­pe abge­stimmt. Lern­ta­ge­bü­cher und ande­re Instru­men­te der Eva­lu­ie­rung unter­stüt­zen die Kurs­teil­neh­men­den und die Lei­tung, Lern­fort­schrit­te und Inter­es­sen aller wahr­zu­neh­men und auf­ein­an­der abzu­stim­men. Regel­mä­ßig ange­bo­te­ne Exkur­sio­nen bie­ten dar­über hin­aus die Mög­lich­keit, sich auf per­sön­li­cher Ebe­ne inten­siv zu begegnen.

Raum für eige­ne reli­giö­se und spi­ri­tu­el­le Erfah­run­gen bieten

Bil­dungs­si­tua­tio­nen sind nur bedingt plan­bar und kal­ku­lier­bar. Was für die ein­zel­nen Kurs­teil­neh­men­den rele­vant ist, kann nur von ihnen selbst ent­schie­den wer­den. Das gilt noch mehr bei den Ange­bo­ten, in denen spi­ri­tu­el­le Erfah­run­gen gemacht wer­den kön­nen wie z.B. bei regel­mä­ßig vor­ge­se­he­nen Andach­ten. In den Kur­sen wird dazu Raum gebo­ten. Nähe und Distanz kann von Teil­neh­men­den immer wie­der neu bestimmt wer­den. Sub­jek­ti­ve Zugän­ge zu Reli­gi­on wer­den reflek­tiert, dar­über hin­aus aber auch Mög­lich­kei­ten geschaf­fen, Aus­drucks­for­men christ­li­cher Reli­gio­si­tät ken­nen zu ler­nen. Zum Abschluss von Kurs­ein­hei­ten wer­den gemein­sam got­tes­dienst­li­che Fei­ern vor­be­rei­tet und gefeiert.

Zur eige­nen Aus­ein­an­der­set­zung mit Reli­gi­on ermu­ti­gen und befä­hi­gen (Sub­jekt­ori­en­tie­rung)

Aus­gangs­punkt für die Kurs­ge­stal­tung bil­den die eige­nen, per­sön­li­chen wie auch beruf­li­chen Erfah­run­gen mit Reli­gi­on. Aus­ge­hend von die­sen Erfah­run­gen, die sich im Lau­fe der Kur­se ver­än­dern kön­nen, wer­den Lern­set­tings geschaf­fen, in denen die jewei­li­gen Vor­er­fah­run­gen ein­ge­bracht und reflek­tiert wer­den. Sie bie­ten die Grund­la­ge dafür, dass sich die Teil­neh­men­den im Lau­fe des Kur­ses reli­gi­ons­päd­ago­gisch rele­van­te Kom­pe­ten­zen aneig­nen (s.o.).

Die­se Prin­zi­pi­en sind die Basis, von der aus die Zie­le ent­wi­ckelt wer­den. Die RPQ zielt auf die Ent­wick­lung einer berufs­be­zo­ge­nen Hand­lungs­kom­pe­tenz als reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Fach­kraft. Die reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Hand­lungs­kom­pe­tenz im Kon­text der RPQ umfasst alle Fähig­kei­ten, Fer­tig­kei­ten, Ein­stel­lun­gen und Hal­tun­gen, die für die reli­gi­ons­sen­si­ble Beglei­tung von Kin­dern und Fami­li­en in Kin­der­ta­ges­stät­ten not­wen­dig sind. Eine reli­gi­ons­sen­si­ble Päd­ago­gik umfasst das sen­si­ti­ve und kri­ti­sche Wahr­neh­men von reli­giö­sen Dimen­sio­nen in All­tags­si­tua­tio­nen, die Deu­tung und Aus­ge­stal­tung die­ser Dimen­sio­nen sowie die Anre­gung von impli­zi­ten und expli­zi­ten reli­giö­sen Erfahrungen.

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