Gott — Didaktischer Kommentar

Gott — Über­sicht des Moduls aus der Modul­über­sicht

Das Davor und Danach

In der Regel ist der gesam­te RPQ-Kurs zu bele­gen. Die inhalt­li­che Vor­aus­set­zung für die­ses Modul liegt in dem Modul „Basics Religion”.

In der vor­ge­se­he­nen Kon­takt­zeit von 24 UE ist es nicht mög­lich, das gesam­te Mate­ri­al ein­zu­set­zen. Je nach Vor­wis­sen und den Bedürf­nis­sen der Teil­neh­men­den soll­ten Sie eine Aus­wahl tref­fen, Schwer­punk­te und die Mate­ria­li­en ergän­zen. Auch ist wäh­rend des Moduls pro­zess­ori­en­tiert zu arbei­ten; Pla­nun­gen soll­ten geän­dert wer­den, wenn Sie beob­ach­ten, dass von den Teil­neh­men­den zu bestimm­ten Schwer­punk­ten eine Ver­tie­fung erwünscht wird.

Ein Ziel die­ses Moduls besteht dar­in, sich kri­tisch und reflek­tiert mit ver­schie­de­nen For­men der Rede über Gott und den eige­nen Zugän­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Zudem sol­len die Teil­neh­men­den die Viel­falt bibli­scher Got­tes­kon­zep­tio­nen ken­nen­ler­nen und prak­ti­sche Impul­se für die Arbeit mit Kin­dern erpro­ben. Das Theo­lo­gi­sie­ren mit Kin­dern und ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche Theo­rien über Got­tes­kon­zep­tio­nen bei Kin­dern ste­hen dabei im Zentrum.

Vorüberlegungen

Reli­gio­si­tät wird land­läu­fig mit dem Glau­ben an ein höhe­res Wesen, an eine tran­szen­den­te Kraft, eine außer­mensch­li­che Macht ver­bun­den. Im deutsch­spra­chi­gen Raum ist hier­für die Bezeich­nung „Gott” vorherrschend.

Der Begriff „Gott” ist aber auch in der All­tags­spra­che gebräuch­lich, z.B. bei den Rede­wen­dun­gen „um Got­tes wil­len”, „Gott sei Dank” oder „Oh Gott, oh Gott”. Kin­der hören das Wort „Gott” und über­le­gen, in wel­che Kate­go­rie die­ses Wort gehört. Wer, was oder wo ist Gott? „Ist er ein Nacht­tier, weil man ihn nie sieht?” (Max, 5 Jah­re), „Ist er wie ein unsicht­ba­res Licht, das uns immer beglei­tet?” (Johan­na, 4 Jah­re), „Ist es der Pfar­rer in der Kir­che?” (Juli­us, 6 Jah­re) oder sitzt Gott im Him­mel auf einer Wol­ke und schaut von oben her­un­ter? Gera­de die­se letzt­ge­nann­te Vor­stel­lung ist unter Kin­dern sehr ver­brei­tet — auch in mehr­heit­lich von Kon­fes­si­ons­lo­sig­keit gepräg­ten Kontexten.

Von den Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten einer RPQ wird erwar­tet, dass sie auf die­se „schwie­ri­gen”, aber bedeu­tungs­vol­len Fra­gen kom­pe­tent reagie­ren kön­nen. Eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on ist aber nur mög­lich, wenn die eige­nen Zugän­ge zu Got­tes­kon­zep­tio­nen reflek­tiert wer­den kön­nen und Hin­ter­grund­wis­sen über die bibli­sche Rede von Gott vor­han­den ist.

Anforderungssituationen

  1. Die Kin­der sit­zen im Mor­gen­kreis zusam­men. Lina erzählt, dass ihr Hams­ter gestor­ben und nun im Him­mel ist. Etwas spä­ter kommt das Gespräch auf Gott. Max ruft: „Gott ist tot!” Die Erzie­he­rin fragt nach: „Wie kommst Du dar­auf, dass Gott tot ist?” Max ant­wor­tet: „Na, wenn Gott im Him­mel ist und die Toten im Him­mel sind, dann muss Gott doch tot sein.”
  2. Jasper (5) sagt mit fes­ter Stim­me: „Gott ist der Chef der Welt! Wenn einer krank ist, kann man zu ihm hoch­be­ten und der hilft uns. Das hab ich für mei­nen Bru­der Yan­nik gemacht. Der ist ganz schnell gesund gewor­den.” Mia (6) sagt lei­se: „Uns hat er nicht gehol­fen. Oma ist gestor­ben, obwohl ich gebe­tet habe.”
  3. Zwei Mäd­chen strei­ten. Gina ruft: „Gott gibt’s nicht!” Son­ja: “Doch, den gibt’s, hat mei­ne Mama gesagt.” Gina: „Nee, den gibt’s nicht, hat mein Papa gesagt.” Bei­de lau­fen zur Erzie­he­rin: „Frau Kai­ser, wer hat Recht? Gina sagt …”
  4. Ein Vater spricht eine Erzie­he­rin einer christ­li­chen Ein­rich­tung an: „Sie wir­ken doch eigent­lich ganz ver­nünf­tig — glau­ben sie wirk­lich an einen Gott, der die Welt in sie­ben Tagen erschaf­fen hat?”
  5. Eine Kol­le­gin fragt eine Erzie­he­rin, die die Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Qua­li­fi­zie­rung absol­viert hat: „Wenn es einen Gott gibt, war­um hat er dann zuge­las­sen, dass die Mut­ter von unse­rem klei­nen Anton so früh gestor­ben ist?”
  6. Kin­der stel­len Fra­gen, z.B.: Wo war ich vor mei­ner Geburt? Wo kommt das alles her, was um uns her­um ist? Wie kommt Oma vom Grab in den Him­mel? … Die päd­ago­gi­sche Fach­kraft ist gefor­dert, sol­che Fra­gen auf­zu­neh­men und Ver­bin­dung zu bibli­schen Tex­ten her­zu­stel­len, und ist her­aus­ge­for­dert, im Gespräch mit den Kin­dern ver­schie­de­ne Deu­tungs­mög­lich­kei­ten zu entdecken.

Kompetenzentwicklung

Selbst­kom­pe­tenz

  • Die Teil­neh­men­den kön­nen ihre bio­gra­phi­sche Prä­gung in Bezug auf Got­tes­kon­zep­tio­nen reflek­tie­ren und ausdrücken.

Fach­kom­pe­tenz Wissen

  • Die Teil­neh­men­den ken­nen die Viel­falt bibli­scher Gotteskonzeptionen.
  • Sie ken­nen Per­spek­ti­ven aus ande­ren Reli­gio­nen in Bezug auf den Gottesbegriff.
  • Die Teil­neh­men­den ken­nen ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche Grund­la­gen der Ent­wick­lung von Got­tes­kon­zep­tio­nen bei Kindern.

Fach­kom­pe­tenz Fertigkeiten

  • Die Teil­neh­men­den kön­nen Kin­der bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit Got­tes­kon­zep­tio­nen kin­der­theo­lo­gisch-sen­si­tiv beglei­ten und ange­mes­se­ne Impul­se für das Theo­lo­gi­sie­ren entwickeln.
  • Sie kön­nen Kin­der­bi­beln und ‑bücher in Bezug auf ihre Got­tes­kon­zep­tio­nen kri­tisch prüfen.

Sozi­al­kom­pe­tenz

  • Die Teil­neh­men­den kön­nen die Viel­falt bio­gra­phisch gepräg­ter Zugän­ge zu Got­tes­kon­zep­tio­nen aner­ken­nen und akzeptieren.

Literaturempfehlungen

Grund­satz­li­te­ra­tur

  • Hel­ga König, Karin Beder­na (Hrg.): Wohnt Gott in der Kita? Reli­gi­ons­sen­si­ble Erzie­hung in Kin­der­ta­ges­stät­ten, Ber­lin, Düs­sel­dorf 2009
  • Ange­la Kun­ze-Bei­küf­ner: Kin­der­theo­lo­gie im Ele­men­tar­be­reich, Lands­hut 2009
  • Ange­la Kun­ze-Bei­küf­ner: Kin­der­theo­lo­gisch-sen­si­ti­ve Respon­si­vi­tät päd­ago­gi­scher Fach­kräf­te in Kin­der­ta­ges­stät­ten, Leip­zig 2017

Für einen Büchertisch

  • Moni­ka Arnold: Hat Gott auch Hän­de?, Mün­chen 2012
  • Gerald Bütt­ner u.a. (Hg.): Theo­lo­gi­sie­ren mit Kin­dern, Stutt­gart 2014
  • Oscar Breni­fier, Jac­ques Des­prés: Was wenn Gott einer, kei­ner oder vie­le ist?, Stuttgart/Wien 2010
  • Marie Hélè­ne Dele­val u.a.: Wie siehst du aus, Gott?, Stuttgart/Wien 2011
  • Franz Hüb­ner, Mar­kus Hum­bach: Weißt du schon, wie lieb dich Gott hat?, Güters­loh 2008
  • Franz Hüb­ner: Der lie­be Gott wohnt bei uns im Apfel­baum, Wien/München 1992
  • Ange­la Kun­ze-Bei­küf­ner: Han­nes sucht Gott, Lands­hut 2014
  • Rai­ner Obert­hür: Die Sym­bol­kar­tei, Mün­chen 2012
  • Tho­mas Scheil­ke, Fried­rich Schweit­zer (Hrg.): Wie sieht Gott eigent­lich aus? Güter­loh 2002
  • Her­mann Schulz, Doro­ta Wünsch: Ein Apfel für den lie­ben Gott, Wup­per­tal 2004
  • Georg Schwi­kart: Gott hat vie­le Namen, Düs­sel­dorf 2003
  • Imke Sön­nich­sen, Eliza­beth Lidd­le: Mama, wie groß ist der Him­mel? Stuttgart/Wien 2003
  • Chris­tof Stäh­lin, Anja Rei­chel: Das klei­ne Schaf und der gute Hir­te, Stuttgart/Wien 2004
  • Paul Ver­rept: Gott, Inns­bruck 2003
  • Gode­hard Wol­pers und Chris­ti­an Kna­e­bel: Der hun­derts­te Name Got­tes, Lands­hut 1999
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